Die Theologie der UnitarierUniversalisten

Von Pfarrer Dr. Marilyn Sewell

Übernommen von: blueboat.blogs.uua.org

„Wie viele Male habe ich Personen anmerken hören: „Du kannst alles glauben und ein Unitarier sein.“ Und manche sagen ohne Ironie: „Ich kam zu den Unitariern weil ich nicht in organisierte Religion glaube.“ Skeptisch sage ich manchmal zu mir: Ich versuche doch organisiert zu sein. Und wir haben einen Chor. Und Chorroben. Und Pfarrer. Und Gotteshäuser.“

UnitarierUniversalismus ist eine Religion und sogar eine mit einer langen und edlen Historie. Warum nur werden wir so häufig missverstanden. Unser Problem sind unsere öffentlichen Ausrutscher. Häufiger wenn UUs in den landesweiten Nachrichten vorkommen ist es wegen einiger PR-Schnitzer, wie Pfarrern die bei AIDS Epidemien freie Kondome während des Sonntagsgottesdienstes ausgaben und über das „Kondom Rätsel“ predigten. Das war keine schlechte Idee, es ist nur nicht das, was die meisten Kirchen im Land an einem Sonntag Morgen tun. Aber auch die Pfarrerin in Ausbildung (Sie hat es nie zur Prüfung geschafft), die einen Beerdigungsdienst, mit Kommunion, für Ihren Hund hielt und alle Katzen und Hunde der Berkeley Nachbarschaft zum Gottesdienst. Das AP Kabel/drahtig Photo zeigte einen Hund stehend auf seinen Hinterbeinen, den Mund weit offen für die Abendmahlsoblate/brot und der Artikel konstatierte: „Die Gäste bellten und balgten nicht um die Oblate (host).“

Wir sind ein freier religiöser Glauben und so haben wir kein Glaubensbekenntnis. Und wie Freiheit gewöhnlich mit sich bring enthält unser Glaube einen bestimmten Grad der Verrücktheit und der Beschimpfung. Aber, wenn das der Preis für Freiheit ist, dann wähle ich gerade daher die Freiheit.

Unser Glaube bedarf selbstverständlich keinerlei Voraussetzungen. Um ein Unitarier zu werden, müssen keine doktrinären Versprechungen getan werden, viel eher muss man viel mehr tun. Es ist notwendig die eigenen Glaubensvorstellungen zu wählen. Man verspricht als Unitarier den eigenen Verstand, die Erfahrungen und die Gebote des eigenen Gewissens als Grundlage für die das eigene Verständnis von Theologie zu wählen und dementsprechend ernsthaft zu leben.

Schließlich ist Theologie in einem eigentlichen Sinne Autobiographie. Unsere real und stellvertretend gemachten Erfahrungen sind es, die uns mitteilen, wie unser Sinn von Realität, unser inneres Bild über den Gang der Welt aussehen und welche Werte für uns zählen Unser gefühltes Wissen setzt sich aus dem was wir glauben was wahr ist zusammen und nicht aus dem was uns an tatsächlich Wahrem erzählt wird. Letztendlich kann keine Person, die mit einer Integrität leben möchte, einen anderen Lebensweg einschlagen.

Unser freier Glaube war mehr als nur ein Stück hartes Arbeit. Unser Glaube hat eine lange Geschichte und unsere religiösen Vorfahren sind unter anderem für diesen gestorben.

Ein Unitarier, König Johann II. Sigismund von Ungarn, Fürst von Siebenbürgen, letzteres macht heute einen Großteil des Staates Rumänien aus, hat 1658 das erste europäische Edikt zur Religionsfreiheit erlassen. Vor einigen Jahren reiste ich nach Rumänien und stand in der Kirche von Torda (Thorenburg), in der dieses erstmalige Edikt proklamiert wurde. Es erscheint uns heute als ein schier unvorstellbarer Akt in einem Zeitalter, in dem Menschen auf dem Scheiterhaufen dafür verbrannt wurden, dass ihr Glauben von der katholischen Norm abwich.

Franz David, König Johann Sigismunds Beichtvater, war der größte Ratgeber in religiösen Angelegenheiten des Königs. Nach dessen Tod verlor David die Gunst des Herrscherhauses und wurde letztendlich aufgrund seiner Überzeugungen in die Bergfeste Deva gesperrt. Ich selbst besuchte Deva und lief den hohen, staubigen Hügel zum Kerker hin, in dem er eingesperrt war. Eigentlich war es lediglich ein tiefes Loch im Boden, in dem er vegetierte, erkrankte und letztlich starb. Seine berühmten Worte leben aber immer noch mit uns. Zusammengefasst sagte er: „Es ist nicht nötig gleich zu denken um gleich zu lieben.“ Und der Kernpunkt unseres Glaubens ist nicht der Glaube, sonder gerade die Liebe!

Viele andere starben in dieser Zeit der religiösen Verfolgung. Die Unitarische Bewegung kam aus dem „linken Flügel“ der protestantischen Reformation und wir waren viel zu weit „links“ für Calvin und Luther. Der unitarische Gelehrte Michael Servet, der das Werk mit dem Titel „Über die Fehler der Dreieinigkeit“ geschrieben hatte wurde durch die Katholiken in Abwesenheit und durch Calvin in realiter, mit seinem Werk auf seinen Oberkörper gebunden, verbrannt. Es wird berichtet, dass von ihm verlangt wurde lediglich ein Wort seines Buches zu verändern. So hätte die Veränderung des Satzes „Jesus ist ein Sohn Gottes“ zu „Jesus ist der Sohn Gottes“ sein Leben gerettet.

Dies ist unsere Herkunft, oder zumindest ein kleiner Teil von ihr. Unsere Herkunft ist reich an Geschichte, Theologie und Kultur und wir sind sehr stolz auf sie. Es ist kein leichter oder einfacher Teil, dessen Teil wir sind. Aber gerade weil wir ein freier Glaube sind, wie könnte da unsere Bewegung eine vergleichbare Theologie haben? Alles in allem gehören unseren aktuellen Kirchen Christen, Atheisten, Humanisten verschiedenster Couleur, Juden, Buddhisten und sogar Wiccaner an. Wer immer möchte, ist uns herzliche willkommen! Nichts desto trotz dominieren manche theologischen Thematiken durch unsere Geschichte und unsere Glaubensauslegung, wodurch ich argumentiere, dass wir sicherlich eine geordnete Theologie haben, eine Theologie die ziemlich klar und unveränderlich über die Zeit war.

Beginnen müssen wir mit der Behauptung, dass Unitarismus Universalismus immer die Freiheit als zentralen, gültigen Kern betont hat. Daraus folgt, dass jedes menschliche Wesen eine Wahl hat. Der Allmächtige hat nicht schon bei Geburt bestimmt, ob wir errettet werden oder nicht. Wir sind nicht festgelegt durch unsere Geburt und müssen daher auch nicht erst getauft werden, um von der angeblichen Sünde geläutert zu werden. Wir brauchen keinen Menschen, der am Kreuz gestorben ist, um uns vor der Hölle zu bewahren. Ja, wir Menschen können Böses zu tun, aber wir haben ebenso die Möglichkeit Gutes zu tun. Wir haben eine Wahl! Wir UnitarierUniversalisten bevorzugen es von uns selber als in ursprünglichem Segen geboren zu sprechen, wie der Theologe Matthew Fox es formuliert. Mr. Fox wurde übrigens von der Katholischen Kirchen für diese und andere „Häresien“ exkommuniziert.

Der Terminus „Unitarier“ impliziert, dass wir an einen Gott glauben, der eins ist. Als begonnen wurde die Kirchendoktrinen im 4. Jahrhundert nach Christus nieder zu schreiben, war die Dreieinigkeit für unsere Vorfahren sehr verwirrend und sie widersprachen ihren Kollegen. Als es aber im Jahr 325 n. Chr. an das Festlegen einer einheitlichen Glaubensauffassung ging, wurde das „Nicäanische Glaubensbekenntnis“ festgelegt und damit die Doktrin der Dreieinigkeit festgeschrieben. Wir halten hier fest, dass die Dreieinigkeit kein biblischer Gedanke ist, sondern statt dessen im Machtgefüge der Katholischen Kirche. Die Unitarier hatten damit für alle Zeiten diese Abstimmung verloren.

Das Konzept, dass Gott eins ist, geht weit über die Kontroverse um die Trinität hinaus. Sofern Gott eins ist, dann ist der Gott der Juden, der Gott der Muslime und der Gott der Christen eins. Gott ist eins. Ich kann mich an einen tragischen Irrtum in meinem Pfarramt erinnern. An einem Abend wurde ich in ein Krankenhaus zu einer Mutter gerufen, deren zweijähriges Kind Hirntod war, durch ersticken an einem Kaugummi. Die Mutter, eine UnitarierUniversalistin war vom Vater, der einen fremden Glauben hatte, entfremdet. Beim Verlassen des Hospitals traf ich zufälligerweise den Pfarrer des Vaters und sagte zu ihm: „Nun, wir können die Beerdigungszeremonie gemeinsam halten“. Und er antwortete: „Nein, können wir nicht. Wir beten nicht den gleichen Gott an“. Sein Kommentar vertiefte meine Traurigkeit und die Entfremdung zwischen den Familien schien viel größer zu sein, als gedacht. An welchen anderen Gott mag der Geistliche gedacht haben?

Als UnitarierUniversalisten respektieren wir andere religiöse Traditionen – wir glauben sogar, dass wir nicht das Monopol auf religiöse Wahrheit besitzen. Ich bevorzuge die Sichtweise meines Kollegen Dr. Forrest von der „Church of All Souls“ in NewYork. Er geht davon aus, dass Wahrheit vergleichbar ist zu Licht, dass durch die Kirchenfenster einer großen Kathedrale in verschiedensten Farben und Formen fällt. Das Licht kommt aus der gleichen Quelle, sieht aber verschieden aus, je nachdem, durch welches Fenster es scheint. So ist es auch mit den verschiedenen religiösen Traditionen dieser Welt. In meinen Gottesdiensten nutze ich regelmäßig verschiedenste Quellen, auch die der amerikanischen indigenen Bevölkerung, antiker chinesischer, der hebräischen Bibel, Rumi und auch aktuelle Gedichte. Wahrheit ist da, wo man sie findet. Es gibt schlichtweg keine Schrift, die sie allein in sich versammelt.

Zudem gibt es einen weiter theologischen Blickwinkel der UnitarierUniversalisten betreffend der Wahrheit anführen: wir glauben an die Evolution und nicht nur an die evolutionäre Entwicklung der Lebensformen an sich, sondern an die Entwicklung des Geistes, der Moral und eines ethischen Verständnisses. Was ich heute als Wahrheit annehme, ist daher möglicherweise nicht die Wahrheit, die ich morgen annehme. Die Offenbarung sollte nicht statisch verstanden werden, sondern als dauerhafte Entfaltung. Mehr und mehr wird entdeckt und unser Aufgabe ist es offen und durstig für unsere Wahrheit zu sein – und dies ein Leben lang. Diese Einstellung macht uns bescheiden und wach. Sofern wir uns an diese Mysterien wagen, betreten wir den Boden des Unendlichen mit den Kräften eines endliches Geistes. Ein außergewöhnlicher Agnostizismus könnte ein besserer Teil der Weisheit sein.

UnitarierUniversalistische Theologie ist aus dieser Welt und nicht aus der nächsten. Jesus lehrte, dass Gott in jedem wohnt und, im Gegensatz zur häufigen christlichen Praxis, lag der Fokus seiner Lehren auf menschlichen Bindungen und nicht in der Erlösung. UnitarierUniversalisten betonen nicht die Wiedergeburt. Zum einen wissen darüber wir schlichtweg nichts, da keiner bisher von dort zurück gekommen ist. Aber wir kennen das Leiden und die Ungerechtigkeit dieser Welt und daher versuchen wir das Königreich des Herrn hier und mit realen Personen zu errichten.

Bezugnehmend auf Franz David – unser Glaube legt nicht den Fokus auf das, was wir glauben, sondern auf das, was wir lieben. Es ist belegt, dass Menschen die mit großen Eifer glauben oder sehr orthodox sind, an einigen der niederträchtigsten Handlungen teilgenommen haben. Christopher Hitchens und andere bekannte nicht-Gläubige ist dafür zu danken, dass sie auf diese Diskrepanz im religiösen Glauben hingewiesen haben. Ich würde Hitchens zustimmen, dass der Aufstieg des Fundamentalismus in den verschiedenen Teilen der Welt eine der beängstigendensten sozialen und politischen Bewegungen ist. Sofern wir einen anderen hinter uns setzen oder von uns ausgrenzen, zerreißen wir unser menschliches Herz und dann ist es für diese Person möglich sich stark zu verändern. Für UnitarierUniversalisten lautet die Frage niemals „Was glaubst Du“, sondern „Zu welcher Person bist Du geworden. Was sind die Früchte Deines Lebens?“

Die Signifikanz von Liebe und Toleranz in unserem Leben ist sogar noch mehr eine Dimension des Universalismus. Die universalistische Bewegung begann, importiert aus Großbritannien, im späten 18. Jahrhundert in unserem Land, und damit zur gleichen Zeit die die unitarische Bewegung. Der amerikanische universalistische Prediger Hosea Ballou sagte seinen Anhängern, dass Himmel und Hölle nicht in irgendeiner Form des Jenseits gefunden werden könne, sondern in dem Leben, dass wir gestalten auf dieser Erde. Es lehnte ebenso die Lehre von der Erlösung der Menschen durch Jesu Tod ab. Statt dessen lehrte er, dass unsere Erlösung durch Christi Gestaltung von Liebe und Gerechtigkeit kommen würde. Historisch betrachtet, war das Paradies für Universalisten ein Raum, in dem die Menschen sich bemühen Ungerechtigkeit zu entgehen und in dem sie dazu aufgerufen werden Weisheit und die Kapazität zu lieben zu entwickeln.

Die Vielseitigkeit des Universalismus führt zu einer vielfältigen Erlösung. Dieses radikale theologische Konzept tauchte in einer Zeit auf, in der Erweckungprediger durch das Land ritten und den Menschen erzählten, dass sie in der Hölle brennen würden, sofern sie nicht ihre Sünden bereuen. Ich erinnere mich an einen Buddhistisch-christlichen Dialog, an dem ich teilgenommen habe. Einer der christlichen Organisatoren, ein bekannter Wissenschaftler, sagte mir beim Mittagessen „Finden Sie nicht, dass die Doktrin des Universalismus eine ziemlich dumme Auffassung ist?“ Ich war ziemlich sprachlos und sagte ihm, dass es ein Schritt in die richtige Richtung war, zu einer Zeit als Hölle und Verdammung in Gottesdiensten dazu benutzt wurden, Gott einen schlechten Namen zu geben. Dann wartete ich und sagte zu ihm: „Glauben Sie, dass Gott jeden Menschen liebt?“

„Ja“ sagte er.

„Also liebte Gott Hitler auch?“

Unwillig stimmte er zu und sagte „Ja, das nehme ich an.“

Und dann sagte ich, dass es keine große Erweiterung sei zu glauben, dass ein liebender Gott am Ende alle Dinge für sich in Einklang bringen könnte.

Die Unitarier und Universalisten haben für viele Jahre über das Zusammenschließen gesprochen. Und obwohl ihre Theologien sehr nah wahren, waren sie durch „Klassengrenzen“ getrennt. Die Unitarier tendierten aus bildungsnahen Schichten der oberen Mittelklasse zu kommen. Sie waren mehr auf den Stil ihres Gottesdienstes ausgerichtet, als Universalisten, die überwiegend bäuerlich und weniger gebildet waren. Sie haben zu guter letzt 1961 entschieden zu fusionieren und nur ist unser Glauben bekannt als UnitarierUniversalismus.

Zusammenfassend haben wir UnitarierUniversalisten eine Theologie:

Wir glauben, dass Menschen frei ihren Glauben wählen dürfen, gemäß den Überzeugungen ihres eigenen Geistes.

Wir glauben an das Gute, mit dem Verständnis, dass Sünde häufig aus Schmerz und Ignoranz gewählt wird.

Wir glauben das Gott eins ist.

Wir glauben, dass die göttliche Offenbarung sich ewig entfaltet.

Wir glauben, dass das Königreich Gottes auf Erden errichtet werden kann.

Wir glauben, dass Jesus ein Prophet Gottes war und das andere Propheten durch Gott in anderen Religionen aufgestiegen sind.

Wir glauben, dass Liebe wichtiger ist als Doktrinen.

Wir glauben, dass Gottes Gnade am Ende alle versöhnen wird.

Zum letzten Punkt über Gottes Gnade muss ich ehrlich bekennen, dass ich nicht weiß, ob dieser wahr ist oder nicht. Wie kann Gottes Liebe so allumfassend, so nachsichtig sein? Ich kann nicht mal meinem Nachbarn vergeben, der jedesmal, wenn ich versuche meine Predigt zu schreiben seinen Laubbläser hinaus holt. Wie kann jeder errettet werden? Sicherlich sollten manche von uns zur Hölle gehen! Sicherlich der Mann mit dem Laubgebläse. Nein, keiner. Keiner in Gottes unermesslicher Gnade. Und an uns ist es uns lang genug zu machen, um dies auszuhalten. Ich bin noch lange nicht oben angekommen. Aber dies ist eine wirklich umwerfende Sache an meinem Glauben. Er ist in ständiger Entwicklung genauso wie ich. Möge Gott Gnade für meine Seele walten lassen. Und für Ihre. So möge es sein.

Amen.

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